Wenn ich an mein erstes Turnier zurück denke, dann war das ganz schön aufregend, stressig und ich wußte nicht, was auf mich zukommen wird. Auf dem Abreiteplatz mit all den vielen anderen Pferden und Reitern war alles völlig anders als zu Hause. Nichts klappte wirklich und ich war wesentlich schlechter als im alltäglichen Training. Dabei hatte ich jemanden mit Erfahrung an meiner Seite. Ich war unglaublich aufgeregt. Schon beim fertigmachen ging’s los und hörte erst nach der Show auf. Mentaltraining für Reiter war für mich noch kein Thema.

Mit der Zeit bekam ich natürlich eine gewisse Routine. Aber ab einem gewissen Punkt überschüttet mein Körper mich immer noch mit Adrenalin und es wird echt schwierig entspannt zu bleiben. Das wirkt sich natürlich auf meinen QH Wallach Angelo aus. Er ist äußerlich ruhig, aber seine Lippen sind zusammen gekniffen. Er ist innerlich gestresst.

Ich musste einen Weg finden meine Aufregung und die von Angelo zu reduzieren. Gleichzeitig wollte ich bessere Leistungen in der Show bringen.

Vielfältige Herausforderungen meistern

Jede Teilnahme an einem Turnier ist eine ungewohnte Situation für Dich und Dein Pferd. Das ist kein Alltag und bedeutet Aufregung für Euch beide. Auch Pferde lieben Gewohnheiten. Die werden an so einem Tag oder Wochenende durchbrochen. Deswegen ist es wichtig organisiert und selbst mental stark zu sein. Für beides möchte ich Dir hier Anregungen und Hilfe geben.

Ich habe mit vielen Turnierreitern gesprochen und folgende Gedanken verfolgen jeden von uns:

  • Wie ist die Parkplatzsituation vor Ort
  • Gibt es genügend Platz zum verladen
  • Wo ist meine Box, finde ich einen guten Paddockplatz
  • Wo bekomme ich Wasser und Heu (gibt es das vor Ort oder muss ich es mitbringen)
  • Wie sind die Abreitezeiten, wo der Abreiteplatz, höre ich dort die Lautsprecherdurchsagen
  • Wo ist die Meldestelle
  • Wann starte ich und der wievielte Starter bin ich
  • Wann geh ich auf den Abreiteplatz und was trainiere ich dort
  • wie merke ich mir am besten die Pattern
  • wie bleiben ich und mein Pferd konzentriert und doch entspannt
  • die richtige Balance zwischen Aufregung und Entspannung finden
  • Notfallplan wenn’s nicht wie geplant läuft

Erfolg beginnt im Kopf

Meine Lösung war, mich mit Mentaltraining für Reiter zu beschäftigen. Meine persönliche Weiterentwicklung ist mir schon immer wichtig gewesen und Persönlichkeitsentwicklung finde ich ein sehr spannendes Gebiet. Eine Übersicht was Mentaltraining alles beinhaltet findest Du hier.

Die unterschiedlichen Herausforderungen, die Dir auf dem Turnier begegnen möchte ich zu Themen zusammenfassen. Zum einen ist es das rein organisatorische, das wo finde ich was und wie organisiere ich mich. Zum anderen ist es das Kopfkino, die Aufregung, das Unvorhersehbare und wie man sich mental auf seine Show vorbereiten kann. Denn eines ist sogar wissenschaftlich erwiesen.

Bei zwei gleich starken Reitern entscheidet die mentale Stärke über den Sieg!

Richtig gut organisiert auf’s Westernturnier

Wie sagt meine Mutter noch so schön – Organisation ist das halbe Leben. Und ja da ist was dran! 🙂 Je besser organisiert ich auf’s Turnier gefahren bin, desto entspannter war ich, mindestens was das Drumherum betraf. Doch wie organisiert man sich am besten? Vor allem, wenn man oft nicht weiß, was einem auf dem Turnier erwartet und wie’s da aussieht?

Das Ankommen gut meistern

Das aufregendste ist finde ich immer das Ankommen auf einem Turnier, das man noch nicht kennt. Wenn Du es zeitlich einrichten kannst und die Entfernung es zulässt, kannst Du natürlich schon mal vorab hinfahrend die Anlage anschauen.

Folgende weitere Tipps kann ich Dir fürs entspannte Ankommen auf dem Turnier empfehlen:

  • Packe rechtzeitig alles ein – ich mach das schon am Tag zuvor nach dem reiten (hier kannst Du Dir eine Packliste herunterladen) und plane Deine Anreise einige Tage vorher
  • Suche Dir als erstes einen Parkplatz, baue Dein Paddock auf oder mach Dich auf die Suche nach dem Boxenplan, wenn Du eine gemietet hast, dann lade Dein Pferd aus und versorge es
  • Auf zur Meldestelle: Nummern und Programmheft holen, Arbeitszeiten und -plätze erkunden

-> dann kannst Du meistens erst einmal entspannen und Dir die Anlage in Ruhe ansehen. Du und Dein Pferd könnt quasi mental ankommen.

Siegen mit mentalem Training

Irgendwann kommt dann der Zeitpunkt, an dem Du Dein Pferd und Dich selbst fertig machen musst für die Show und es auf den Abreiteplatz geht. Die spannende Frage ist ja, wann ist der richtige Zeitpunkt?

Ich will das Thema abreiten nur der Vollständigkeit halber erwähnen, damit könnte man einen weiteren Artikel füllen und ist natürlich ein sehr individuelles Thema. Die meisten der „alten Turnierhasen“, die ich kenne reiten bzw. trainieren nicht kurz vor der Show, sondern abends oder morgens. Kurz vor der Show wärmen sie nur ihre Pferde noch einmal auf und fragen einfache Manöver ab.

Fokus auf das Hier und Jetzt

Meine größte Aufregung spüre ich immer, wenn ich mein Pferd sattle, mich für die Show umziehe und auf dem Abreiteplatz ankomme. Da ich nicht immer kopflos in der Gegend rumrennen bzw. reiten wollte habe ich mir angewöhnt quasi zu meditieren. Ich kann mich zwar schlecht im Schneidersitz in den Sattel schwingen, aber ich versuche so viel Trubel wie möglich um mich herum auszuschalten und mich voll und ganz auf das zu konzentrieren, was ich gerade mache: putzen, Sattel auflegen, Schritt reiten, die Bewegungen meines Pferdes fühlen, das Manöver…

Ich gebe mir und Angelo Aufgaben, damit wir beide nicht auf doofe Gedanken kommen. Aber ich überfordere uns nicht, keine neuen Sachen oder Experimente. Das was wir können frage ich ab und konzentriere mich auf die beste Ausführung, die wir jetzt hin bekommen.

Atmen nicht vergessen!

Die Aufregung ist das Resultat von richtig viel Adrenalin im Blut. Das löst normalerweise unseren Flucht oder Kampfreflex aus. Es beschleunigt die Atmung und spannt unsere Muskeln an, damit wir schnell reagieren können. Genau das spürt Dein Pferd und wird sich auch schon mal auf Flucht einstellen. Schaffst du es, deinen eigenen Puls runterzufahren, seid ihr beide entspannter. Ein guter Weg ist bewusstes Atmen. Also einatmen – bis 3 zählen – ausatmen – bis 3 zählen. So lange bis Du merkst, dass Du ruhiger wirst.

Angelo war vier, als ich mit ihm mein erstes Turnier geritten bin. Da ich überhaupt nicht wusste, was mich erwartet, habe ich mir einen Satz, quasi ein Mantra ausgedacht. Es sollte mich stärken und mir die Führung in der Situation bewusst machen. Eigentlich teile ich so etwas sehr persönliches nicht gerne. Für Dich mache ich hier eine Ausnahme und verrate Dir meinen damaligen Satz: „Ich ruhe in mir, wie ein Fels in der Brandung. Du kannst dich auf mich verlassen.“ Dabei habe ich mir einen Felsen in tosender Brandung vorgestellt und mich darin völlig ruhig und entspannt. Und natürlich habe ich das Atmen nicht vergessen.

Soll ich dir noch verraten, was passiert ist? Ich habe damals die Horsemanship gewonnen. (Giekau, 03./04.05.2014) Wahnsinn!!

So vergisst Du nie weder eine Pattern

Eine der zentralen Methoden im Mentaltraining für Reiter ist die Visualisierung. Es ist die Kunst, sich etwas so vorzustellen, wie man es gerne hätte. Unser Unterbewusstsein kann nicht zwischen Vorstellung und Realität unterscheiden und spricht am stärksten auf lebendige Bilder, Gefühle und Gerüche an. Bindest Du das mit ein, kannst Du damit die Wirkung Deiner Vision deutlich verstärken.

Meistens bekommst Du die Pattern ja eine Woche vor dem Turnier mitgeteilt. Würdest Du sie jetzt so oft durchreiten bis Du sie sicher beherrscht, nimmt Dein Pferd die Manöver vorweg und die Präzision leidet. Deswegen reite die Pattern in Gedanken immer wieder durch und überlege Dir dabei, wo die größten Hürden für Euch beiden sind. Ist es das rechts angaloppieren, oder die flüssige Hinterhandwendung nach links …

Stelle Dir genau vor, wie sich Dein Pferd unter Dir anfühlt an jedem Punkt der Pattern. Welche Hilfe gibst Du wann genau? Wohin geht Dein Blick? Wie fühlen sich die Bewegungen an? Je genauer, lebendiger und gefühlvoller Deine innere Vision, desto besser wird das Ergebnis.

Die Show ist Deine Bühne – so rockst Du sie

Mit der Methode der Visualisierung beim Mentaltraining für Reiter bleibst Du in der Show konzentriert und zeigst 100% Deine Leistung genau dann, wenn sie gefragt ist. Zuerst hast Du die Pattern als inneres, lebendiges Video abgespeichert. Jetzt in der Show ist sie Routine. Nun geht es darum, nicht an Deiner Leistung und Deinem Können zu zweifeln. Du und Dein Pferd ihr seid jetzt in diesem Moment perfekt. Ihr gebt Euer bestes. Konzentriere Dich immer genau auf den Teil Deiner Pattern, der gerade vor Euch liegt. Grübel während der Show nicht über das leichte Überdrehen beim Spin, oder was immer Du für nicht gelungen findest. Denn jetzt ist der Zirkel dran – reitet ihn so perfekt, wie ihr könnt. Sei im Manöver, im Jetzt.

Wenn Du Dir die Prüfungssituation lebhaft und bildlich visualisierst, mit Gefühlen und vielleicht auch mit Gerüchen untermalst, wie Du und Dein Pferd vor den Richtern Eure beste Leistung abgebt, dann werdet Ihr Euer bestes Ergebnis abliefern.

Das mentale Training der Prüfung beginnst Du natürlich auch schon zu Hause noch bevor Du aufs Turnier fährst. Denn je klarer die inneren Bilder sind, desto stärker wirst Du reiten.

Das kannst Du jetzt für Dich tun

Ich habe mich schon immer gerne mit Persönlichkeitsentwicklung beschäftigt und damit, wie ich mich Herausforderungen stellen und überwinden kann. Denn viele Grenzen sind nur Hirngespinste mit Macht über unsere Freiheit. Mit Mentaltraining für Reiter möchte ich Dir helfen Deine Hirngespinste und Gedankenkreisel loszuwerden. Starte mit Deinem Pferd durch, sei erfolgreich, entspannt auf deinem nächsten Turniere und hab Spass daran, frei zu sein.

Foto: schemmi / www.pixelio.de

Kategorien: Blog

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